Gewichtung von Saisonalität gegenüber Ganzjahreskennzahlen bei Sortimentsstraffung
Gewichtung von Saisonalität gegenüber Ganzjahreskennzahlen bei Sortimentsstraffung
Im Category Management betreue ich derzeit rund 800 aktive Artikel im Trockensortiment inklusive Saison- und Aktionsware. Für die anstehende Sortimentsstraffung werten wir Abverkauf, Rohertrag pro Regalmeter, Umschlagshäufigkeit und Out-of-Stock-Quoten je Filialcluster aus dem Data Warehouse aus. Problematisch sind insbesondere Saisonartikel mit starkem Volumen in acht Wochen, aber schwacher Flächenproduktivität im Jahresschnitt und hohen Restbeständen außerhalb der Saison. Der Einkauf argumentiert mit Lieferantenboni, das Controlling mit Kapitalbindung und Handlingkosten. Wie gewichtet ihr Saisonalität gegenüber Ganzjahreskennzahlen bei der Listungsentscheidung und welche Schwellenwerte für Mindestspanne und Umschlag haben sich in der Praxis bewährt?
Re: Gewichtung von Saisonalität gegenüber Ganzjahreskennzahlen bei Sortimentsstraffung
Der Zielkonflikt entsteht, weil Ganzjahresdurchschnitte Saisonspitzen glätten und Restbestände sowie Handlingkosten unterschätzen. Bewährt hat sich eine zweistufige Bewertung aus Saisonfenster und Ganzjahr. Definieren Sie für jeden Saisonartikel Saisonstart und -ende in einer Kalendertabelle und berechnen Sie Rohertrag pro Regalmeter und Woche nur innerhalb des Fensters sowie annualisiert inklusive Nachlauf mit Abschriften und Retouren. Lieferantenboni nur netto und zeitanteilig nach Wareneingang einrechnen, nicht als pauschale Marge. Als Filter haben sich Mindestspanne nach Boni von 28 bis 32 Prozent, Umschlag in der Saison von mindestens 4 bis 6 sowie Out-of-Stock unter 3 Prozent bei A-Clustern bewährt. Artikel darunter erhalten eine Befristung statt Dauerlistung. Prüfen Sie im Data Warehouse per SQL die Kennzahlen je Filialcluster, Restbestand nach acht Wochen nach Saisonschluss und Deckungsbeitrag nach Kapitalbindung. Außerdem lassen sich Einkaufs- und Controllinginteressen bei der Straffung sauber trennen.